Once upon a time...

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22
Mai

Stadtkind oder Landei – auf der Suche nach dem Glück/ dem perfekten Wohnort/ nach…mir?

Kathi hat euch ja schon ausführlich von unserem Ausflug ins Ökodorf Sieben Linden berichtet. Wenn ich an das Wochenende zurückdenke, kommt mir allerdings neben den vielen spannenden Erfahrungen und Inspirationen auch meine Reaktion auf die Rückkehr nach Leipzig wieder in den Kopf. Ich war nach ein paar wunderschönen aber auch anstrengenden Tagen wieder zuhause und musste feststellen: irgendetwas stimmt hier nicht. Hier war ich, endlich runter vom Rad, zurück in meiner schönen Wohnung in der ich mich so wohl fühle, in der Stadt, in die ich mich so verliebt habe, und ich war unglücklich. Nur wusste ich nicht so richtig warum. Ich wusste nicht was zum Teufel eigentlich gerade mein Problem ist. Ja klar, ich hatte übers Wochenende gelernt was alles möglich ist. Hatte gesehen, dass man noch weiter gehen kann. Aber ich habe mir doch auch hier schon einen ziemlich nachhaltigen Lebensstil aufgebaut, und das Wochenende hätte mich doch eigentlich nur inspirieren sollen diesen noch weiter auszubauen. Doch irgendetwas hat mich bei meiner Rückkehr in die Stadt massiv gestört. Dabei sage ich doch immer: „Ich bin einfach Stadtkind, auf dem Land leben das könnte ich nicht. Ich brauch viel um mich rum, ich brauch die Möglichkeit aus vielen Optionen auswählen zu können, was ich heute unternehmen möchte.“ Ich bin ja auch schon sehr lange fasziniert von Natur in der Stadt, von Gründächern bis Brachflächen. Wieso also hatte ich nach dem Wochenende plötzlich das Gefühl nicht in die Stadt zu gehören, das Gefühl, dass meine Welt eine ganz andere ist, als ich es immer dachte?

Dieses Gefühl der Entfremdung hat zwar nach ein paar Tagen nachgelassen, aber die Erinnerung daran verstört mich bis heute ein wenig. Sollte mir diese Reaktion zeigen, dass ich es mal eine Weile mit dem Leben auf dem Land versuchen sollte? Aber wie soll das gehen, mit Job, Freunden, Wohnung und so weiter? War es wirklich der Verlust der Weite, der Ruhe, der Naturgeräusche, die in Sieben Linden allgegenwärtig waren? Oder ging es bei der Reaktion eigentlich gar nicht um das Leben auf dem Land an sich, sondern nur um diesen besonderen gemeinschaftlichen und nachhaltigen Lebensstil? Würde es vielleicht schon reichen, wenn ich mich innerhalb der Stadt mal nach alternativen Wohnkonzepten umsehe und so etwas einmal teste? Oder reicht es sogar schon, wenn ich innerhalb meiner Wohnung ein paar Veränderungen hin zur Nachhaltigkeit mache? So oder so möchte ich diese heftige Reaktion nicht einfach ignorieren. Auch wenn dieses starke Entfremdungsgefühl inzwischen nichts anderes mehr als eine Erinnerung ist, so war es doch sehr echt und intensiv. Es hat mir einfach gezeigt, dass ich mit meinem momentanen Leben noch nicht so ganz glücklich bin.

Diese Situation hat in mir auch wieder eine alte Träumerei geweckt: Die Idee des „Teilhauses“. Dieses Haus wäre ein Mini-Ökodorf, dass eine etwas abgespeckte Version des dortigen Lebensstils innerhalb der Stadt erlauben würde. Ich hatte mir vorgestellt ein Haus zu kaufen oder zu bauen, dass einige Einzelwohnungen, Paarwohnungen und WGs beinhaltet, aber auch einen Gemeinschaftsbereich. Die privaten Wohnungen währen zwar mit Kühlschrank und kleinem Herd ausgestattet, aber Gefriertruhe und große Küche würden Gemeinschaftlich genutzt. Auch Waschmaschinen, Werkzeuge und all die Dinge die man nicht jeden Tag braucht könnten der Gemeinschaft gehören. So würde eine Menge an Ressourcen und Geld gespart werden. Idealerweise sollte das Haus noch einen Garten haben, in dem von interessierten Mitbewohnern Obst und Gemüse angebaut werden könnte. Oder man könnte gemeinschaftlich einen Schrebergarten dazu kaufen. Der Bio-Lebensmitteleinkauf könnte eventuell auch gemeinsam erledigt werden, so wie das im Ökodorf auch war. Sonnenkollektoren auf dem Dach müssten natürlich auch sein, usw., usw. Auch wenn diese Idee schon eine ganze Weile in meinem Kopf herumschwirrt, hat sie durch den Besuch im Ökodorf noch klarere Formen angenommen. Ich habe dort gesehen, dass ein solches gemeinschaftliches Leben möglich und schön ist, und konnte viel Inspiration mitnehmen, wie so etwas konkret aussehen kann. Bleibt nur noch (mindestens) ein Problem: wie das ganze umsetzen, wenn man nicht die Kohle hat um solch ein Haus zu kaufen oder zu bauen?

Der Traum ist da, aber an der Umsetzung hapert‘s. Was also in der Zwischenzeit tun, um die eigene Unzufriedenheit zu beheben? Ich habe leider noch keine Antwort auf diese Frage. Ich denke, es ist erst einmal das Beste weiter zu träumen und den Weg weiter zu gehen, auf dem ich mich befinde: Den Weg in ein nachhaltiges Leben. Ich werde weiterhin daran arbeiten weniger nachhaltige Verhaltensweisen aus meinem Leben zu bannen und Alternativen auszutesten. Und vielleicht bietet sich mir irgendwann die Möglichkeit, mein Teilhaus Realität werden zu lassen.

Bildquelle: Andy Happel

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